Die Innovation Grant Ausschreibung ist ein personenbezogenes Förderprogramm der Exzellenzstrategie der Universität Tübingen. Es wird an junge Nachwuchsforscherinnen und -forscher in den Natur- und Lebenswissenschaften sowie in den Geistes- und Sozialwissenschaften vergeben. Diese erhalten die Möglichkeit, ihre in der Doktorarbeit gewonnenen Erkenntnisse in verwertbare Verfahren, Dienstleistungen oder Produkte umzusetzen.
Förderbare Anträge müssen in Aussicht stellen, dass die Ergebnisse wirtschaftlich verwertbar sind oder durch diese Kooperationen mit außeruniversitären Einrichtungen etabliert werden können.
Die Kriterien für die Vergabe sind der Innovationsgehalt des Antrags und dessen wirtschaftliche Attraktivität und Durchführbarkeit. Des Weiteren zählt der wissenschaftliche Hintergrund der Kandidaten und die wissenschaftliche Qualität in Hinsicht auf Relevanz, Originalität sowie die Aktualität der zugrundeliegenden Arbeit.
Eine Bewerbung ist 2x im Jahr möglich (Einreichungsfrist 28.02. und 31.08.).
Erfahren Sie mehr: Innovation Grants (Lebens- und Naturwissenschaften) oder (Geistes- und Sozialwissenschaften)
Felix Schreiber
Lehrpersonen und Schulleitungen sollten wissen, wovon sie reden, wenn sie z.B. über Digitalisierung, Inklusion oder Nachhaltigkeit sprechen. Sie benötigen Instrumente und Verfahren, um sich im zunehmend unübersichtlichen Feld der Bildungsforschung zurechtzufinden, welches durch Multiperspektivität gekennzeichnet ist. In der Wissenschaft sind systematische Reviews eine Selbstverständlichkeit, um den Überblick zu wahren. Es wurde aber bisher wenig getan, um für Lehrpersonen im Berufsalltag ähnliche Hilfsmittel bereitzustellen und Forschungsüberblicke aufzubereiten. Innovationspotenzial des Projekts ist es daher, Methoden zur Aufschlüsselung unscharfer Begriffe und Themen in den Bildungswissenschaften und deren Ergebnisse in ein Webinar zu übertragen, digitale Tools zu entwickeln und weitere Forschungsüberblicke anzufertigen. So erhalten Lehrpersonen und Schulleitungen eine Orientierungshilfe zu komplexen Begriffen und Themen und ihr professionelles Handeln wird so unterstützt.
Naybel Hernandez-Perez
[S,S]-Ethylendiamindisuccinat ([S,S]-EDDS) ist ein biologisch abbaubarer Chelatbildner, der von dem Bakterienstamm Amycolatopsis japonicum produziert wird. Chelatbildner werden immer dann eingesetzt, wenn Metallionen eine Reaktion stören oder eine bestimmte Ionenkonzentration konstant gehalten werden muss. Sie werden in zahlreichen Anwendungen wie Textil- und Papierverarbeitung, Waschmittel, landwirtschaftliche Dünger sowie für Kosmetika, Lebensmittel und medizinische Produkte kommerziell genutzt.
Der industriell am häufigsten Eingesetzte Chelatbildner ist Ethylendiamintetraacetat (EDTA). Er wird unter Nutzung nicht erneuerbarer fossiler Rohstoffe chemisch synthetisiert und ist biologisch nicht abbaubar, sodass er in herkömmlichen Abwasseraufbereitungsanlagen nur schwer entfernt werden kann. Aufgrund von Umweltbedenken wird die Verwendung von EDTA für viele Anwendungsbereiche in westeuropäischen Ländern immer stärker eingeschränkt und der Einsatz von alternativen, biologisch abbaubaren Chelatoren gefordert. Eine solche Alternative stellt [S,S]-EDDS dar; es weist mit EDTA vergleichbare komplexbildende Eigenschaften auf, ist aber in dieser isomeren Form vollständig biologisch abbaubar.
Während ihrer Doktorarbeit hat Frau Hernandez-Perez genetische Veränderungen an A. japonicum vorgenommen, um die [S,S]-EDDS-Produktion zu verbessern. Im geförderten Projekt soll unter anderem ein „Super-Plasmid“ hergestellt werden, dass alle Gene enthält, die eine positive Wirkung auf die [S,S]-EDDS-Produktion gezeigt haben.
Philipp Beuchel
Der Mangel an Schulleitungen und Lehrpersonen stellt das deutsche Bildungswesen derzeit vor eine große Herausforderung. Diese erhöht den Handlungsdruck bezüglich der in den letzten Jahren in den Fokus von Bildungsplänen und Lehrpersonenausbildung gerückten, zunehmenden Bedeutsamkeit von Stress- und Ressourcenmanagement im Bildungswesen. Bislang mangelt es allerdings an professionellen Angeboten in diesem Bereich. Achtsamkeitsbasierte Trainings stellen in der freien Wirtschaft eine vielversprechende und immer populärer werdende Möglichkeit dar, auf einen solchen Bedarf einzugehen. Für den Bereich der Schule ist dieses Potenzial bislang allerdings noch kaum ausgeschöpft worden. Das vorliegende Projekt implementiert achtsamkeitsbasierte Formate im schulischen Bereich, die auf verschiedenen Ebenen bzw. bei verschiedenen Akteursgruppen ansetzen: Ein Führungskräfteseminar für Schulleitungen und Mitglieder von Steuergruppen stärkt die Schulentwicklung, ein Lehrpersonentraining unterstützt diese stark beanspruchte Zielgruppe und ein Schulprojekt nimmt die Schule als Ganzes samt der Schüler:innen und deren Eltern in den Blick. Das Innovationspotenzial und die Nachhaltigkeit dieses Projekts bestehen in den umfassenden, auf mehreren Ebenen ansetzenden Maßnahmen: Trainings und Projekte für verschiedene Akteursgruppen an Schulen, flankiert durch digitales schul- bzw. lehrpersonenbezogenes Informations- und Trainingsmaterial. Alle Maßnahmen werden wissenschaftlich evaluiert und auf die Förderkriterien von Krankenkassen abgestimmt und prospektiv zertifiziert, um die Maßnahmen breit zu implementieren.
Alexander Neugebauer
Degenerative Netzhauterkrankungen führen zu einem fortschreitenden Gesichtsfeldausfall, wobei für mindestens 99% der Patienten keine zugelassenen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Da der Gesichtsfeldausfall einen schwerwiegenden Einfluss auf das tägliche Leben der Betroffenen hat, besteht ein dringender Bedarf für alternative Rehabilitationsmethoden. Ein solcher Ansatz ist das Blickbewegungstraining oder Gaze-Training - eine nicht-invasive Methode, bei der die Patienten in verschiedenen visuellen Trainingsaufgaben lernen, größere und effizientere Augenbewegungen zu adaptieren. Dies erlaubt ihnen, ihren Wahrnehmungsbereich auf dynamische Weise zu erweitern. Aufbauend auf den vielversprechenden Ergebnissen der Doktorarbeit von Alexander Neugebauer soll daher „GazeQuest“ entwickelt werden, um eine effektive Gaze-Training-Anwendung für den Heimgebrauch bereitstellen zu können. Diese nutzt die Vorteile der virtuellen Realität, um die Navigationsleistung von Patienten mit peripherem Gesichtsfeldausfall zu verbessern.
Timm Schäfle
In seiner Promotion hat Herr Schäfle ein analytisches Instrument entwickelt, welches biologische Proben nicht-invasiv, also schädigungsfrei untersuchen kann. Hierbei werden Moleküle durch ein kaltes Heliumplasma ionisiert, welche anschließend in einem Massenspektrometer identifiziert werden können. Lebende Bakterien etwa können damit während der Untersuchung weiterwachsen und produzieren dabei weiter Metabolite. Dadurch können die Zellen über einen langen Zeitraum untersucht werden, ohne dass wie bei herkömmlichen Verfahren durch Zerstörung der Probe Informationen verloren gehen. Im Rahmen des Innovation Grants soll das komplette analytische Potential aufgeklärt werden, verbunden mit der Entwicklung von zwei weiteren Instrumenten, welche auch die direkte Untersuchung von menschlichem Gewebe (in vivo) ermöglichen sowie eine längere Betrachtung von Veränderungen über die Zeit.
Or Shalev-Skriptchak
Die chemischen Fähigkeiten von Mikroben werden für viele industrielle Anwendungen, wie der Produktion von Lebensmitteln und Arzneien sowie der Reinigung von Abwässern eingesetzt. Mikrobielle Produkte sind im Gegensatz zu den meisten synthetischen Verbindungen oft biologisch abbaubar und ungiftig. Sie können daher in den meisten Fällen als umweltfreundliche Alternativen eingesetzt werden. Ein stark limitierender Faktor für die breitere Anwendung von Mikroben in industriellen Prozessen ist die Schwierigkeit, die richtigen Mikroben für das richtige Problem zu finden. Um Mikroben auf gewünschte Eigenschaften untersuchen zu können, ist die Durchsatzmenge entscheidend. Daher werden neuartige Methoden benötigt, um Mikroben mit kommerziell interessanten Eigenschaften einfacher identifizieren zu können.
In diesem Projekt soll eine Plattformtechnologie entwickelt werden, die es möglich macht, an einem einzigen Tag 10 Millionen Mikroben sowohl auf die Produktion verschiedener Chemikalien als auch auf das Vorhandensein gewünschter enzymatischer Funktionen zu testen. Diese neuartige Methode soll es erlauben, die riesige Vielfalt der mikrobiellen Welt effektiv zu durchsuchen und damit deren immenses biochemisches Potenzial zugänglich zu machen.
Kjell zum Berge
Wettervorhersagen bieten uns einen großen Mehrwert und Planungssicherheit. Allerdings wird die Qualität der Vorhersage mit der Länge des Vorhersagezeitraumes deutlich schlechter. Um Vorhersagen und Simulationen zu verbessern, ist es wichtig, Parameter wie Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Lufttemperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit über die gesamte Höhe der unteren Atmosphäre zu kennen. Dies können bisherige, stationäre Messsysteme nicht leisten. In diesem Projekt soll ein automatisches Flugsystem („Drohne“) mit Sensoren ausgestattet werden, um die oben genannten Messgrößen bis zu einer Flughöhe von 1000 m über dem Boden mit hoher zeitlicher Auflösung zu bestimmen. Dadurch wird die große Flexibilität einer mobilen Messung mit der hohen Genauigkeit der eingesetzten Sensoren kombiniert.
Sarah Ullrich
In Ihrer Dissertation "Museen und Social-Media: Wie digitale Bilder und ästhetische Alltagspraktiken die Museumserfahrung verändern" hat Frau Ullrich die gegenwärtigen Veränderungen in der Museumslandschaft analysiert und den Einfluss Digitaler Bildpraktiken auf die Kunstszene untersucht. Das Projekt „Blickwinkel“ überführt die Erkenntnisse dieser ethnogarfischen Forschungsarbeit in medienorientierte Kunstvermittlungsstrategien und praxisorientierte Unterrichtseinheiten. Hierbei sollen die barrierearmen Gestaltungsmöglichkeiten und das kreative Potential sozialer Medien genutzt werden. Um die kulturelle Teilhabe von Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderstatus zu stärken, werden in kooperativer Zusammenarbeit mit Berliner Museen und schulischen Förderzentren Lernmodule konzipiert. Diese werden auf der Grundlage digitaler Gestaltungs- und Präsentationsmöglichkeiten niedrigschwellige, alltagsnahe und individuell bedeutsame Zugänge zu hochkulturellen Kunstangeboten bieten.